Willkommen bei der Zunftbruderschaft St.Josef!

Entstehung und Errichtung der St.-Josefs-Bruderschaft zu Bichlbach

Der karge Boden, hohe Kinderzahlen und die Realteilung führten schon früh zu Arbeitswanderungen in wohlhabendere Gegenden.

Im 15. und 16. Jh. war das Rodwesen (Frachtverkehr mit Pferd) eine zusätzliche Einnahmequelle. Nach dem Dreißigjährigen Krieg aber sank der Salztransport, und das Geschäft aus der Rod ging zurück. So waren die Außerferner genötigt, auf Wanderschaft in die Fremde zu gehen und zusätzliches Brot zu verdienen. Die Außerferner waren tüchtige Handwerker, waren gesuchte Maurer und Zimmerleute, auch Stuckateure. So war das Außerfern vom 17. bis zum 19. Jh. stark von der Saisonswanderung geprägt. Auch Kinder waren davon betroffen, die als landwirtschaftliche Hilfskräfte, Kindermädchen oder Hütebuben verdingt wurden.

Vom 15. bis 18. Jh. waren die Zünfte die handelsübliche Organisation des Handwerkslebens. Bereits 1460 hatten sich die Maurer, Steinmetze und Zimmerleute des Inntales in Sterzing zu einer Zunftbruderschaft zusammengeschlossen, die dann auf ganz Tirol ausgedehnt in sechs "Hütten" Bestand hatte. Die Außerferner gehörten zur "Hütte" (auch "Büchse" genannt) Imst.

Am 4. Hornung (Februar) 1689 zerstörte "abermals" eine große Staublawine das halbe Dorf Lähn, vorher "Mittewald" genannt, zu Bichlbach gehörig. Pfarrer Lukas Egger von Bichlbach, ein Sohn des Reuttener Kaufmannes Bartholomäus Egger, war zutiefst betroffen und gelobte zunächst für seine Pfarrangehörigen, eine Bruderschaft zu Ehren der hl. Trias, Jesus, Maria und Josef, zu gründen und eine Kirche zu bauen (Pfarrchronik). Eine Kapelle aus Holz zu Ehren des hl. Josef befand sich bereits auf dem Bichl am Auslauf des Lammberges.

Zu gleicher Zeit stiftete der kaiserliche Zöllner am Lueg, Hanns Jakob Payr, geboren in Ernberg, im Jahre 1689 100 Gulden zu dieser religiösen Bruderschaft und bestritt alle Auslagen, die zu deren Gründung nötig waren. Die feierliche Einführung dieser religiösen Vereinigung erfolgte nach Zustimmung des Bischofs Alexander Sigmund von Augsburg bereits am 21. November, am Feste Mariä Opferung, des Jahres 1690 mit "wahrhaft großartiger Solemnität", wie die Pfarrchronik berichtet. Infolge der kalten Jahreszeit und des großen Andranges wegen fand die Feierlichkeit in der Pfarrkirche zum hl. Laurentius statt.

Das Ziel des Pfarrers Lukas Egger war es aber, den Neubau der gelobten Kirche zu erreichen. Er versuchte, das nötige Geld durch die Gründung einer Handwerksbruderschaft, also Umwandlung der religiösen Bruderschaft in eine Zunftbruderschaft, aufzutreiben. Die Bauhandwerker der Gegend, die in der Saison in der Fremde viel Geld verdienten, waren diesem Vorhaben sehr aufgeschlossen, weil sie ohnehin von der "Hütte zu Imst" loskommen wollten.

Nach einigen Rückfragen erteilte Kaiser Leopold 1. am 17. November 1694 die Handwerksordnung mit Siegelfreiheit und Wappenverleihung.

Im kaiserlichen Diplom vom 17. November 1694 wurde die Bewilligung erteilt, anstatt der Kapelle aus Holz eine "saubere" Kirche zu Ehren des hl. Josef zu erbauen. Zwei Grundrisse wurden bereits den eingesandten Statuten beigelegt.
Die Pläne stammen von Johann Jakob Herkomer aus Füssen, der später in seinem Todesjahr 1717 auch die St.-Jakobs-Kirche in Innsbruck in barockem. Stil begann.

Wegen mangelnder Geldmittel mußte allerdings der Bau der Kirche auf Jahre verschoben werden. Erst 1705 sah sich endlich Pfarrer Egger imstande, dem Pfleger von Ernberg, Johann Gaudenz von Rost, "als Schutzherr der St.-Josefs-Bruderschaft zu Bühelbach", das Bauansuchen zu überreichen, das dieser mit Schreiben vom 2. März 1705 ohne Auflagen günstig erledigte.